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Simone Hofmann

Neue CD: Roger Stein „Alles vor dem Aber“

Am 7. September 2018 erscheint Roger Steins neues Album „Alles vor dem Aber“. Es ist nach „Lieder ohne mich“ (2013) das zweite Soloalbum, das auf Konstantin Weckers Label „Sturm & Klang“ erscheint. Die erste Single „Worauf willst du warten“, der Titelsong „Alles vor dem Aber“ und das schrägste Hochzeitslied der Gegenwart zeigen, dass es die kleinen und großen Fragen des Lebens sind, die Stein in seinen Songs beschäftigen.  In “Worauf willst du warten” kann man bereits reinhören (oder via spotify).

Roger Stein hat in den letzten Jahren hunderte von Solo-Konzerten in Clubs und Kleinkunst-Bühnen gespielt, hat sich durch unermüdliches Touren sein Publikum live erspielt: „Manchmal war es schon hart“, sagt er. „Es gab Bühnen, da hab ich zu Beginn vor zehn Leuten gespielt, bis es beim nächsten und übernächsten Mal voll wurde.“ Genau diese gut gelaunte, positive Beharrlichkeit ist es, die ihn ausmacht. 

Steins jüngstes Werk bringt es auf den Punkt: „Alles vor dem Aber“ …ist egal. Denn es ist immer dieses Aber, das Träumer auf den grauen Boden der Realität zurückholt. Dieses Aber ist die Handbremse jeder Sehnsucht. Man würde ja wollen, aber … und aus lauter Bequemlichkeit verpasst man das Leben. Dazu hat der Macher des Albums eine klare Haltung: „Man darf sich nicht mit dem Konjunktiv zufrieden geben.“ Und so schreibt und komponiert, arrangiert und produziert Roger Stein seine Lieder im eigenen Studio in Berlin, tourt, singt, spielt, bewegt und berührt. 

Die neue CD von Roger Stein „Alles vor dem Aber“ (VÖ: 07.09.2018)

Nach einem Konzert in der Philharmonie Berlin lernt er vor einigen Jahren Konstantin Wecker kennen. Es entwickelt sich eine Freundschaft, ein künstlerischer Austausch. Wecker ermutigt ihn, ein Soloalbum auf seinem eigenen, frisch gegründeten Label „Sturm & Klang“ herauszubringen – und die CD „Lieder ohne mich“ 2013. 2018 folgt das zweite Album: „Alles vor dem Aber“.

Das neue Album balanciert zwischen Singer-Songwriter und Liedermachertradition 4.0, mit Tempo, mit Inhalt, voller Sehnsucht und Humor. „Alles vor dem Aber“ ist poetisch und bilderreich zugleich. Man merkt, dass Stein auch Bücher und Lyrikbände veröffentlich, aber es ist eine Lyrik, die einen smarten Anzug aus Humor trägt und gänzlich auf pathetisches Poeten-Posing verzichtet. Unaufgeregt, entspannt. Genauso wie seine Gesellschaftskritik: Nicht anklagend, aber scharf im Blick und locker aus der Hüfte, wenn er in dem Song „Gesichter aus gar nichts“ die neoliberale McKinsey-Unternehmensberater ins Visier nimmt, die Krawatten aus Gleichgültigkeit tragen, während ihre Verantwortung mit Lotuseffekt versehen ist.

Alles vor dem Aber“  lockt mit tanzbaren Pianorhythmen, flankiert von sportlichen Akustik-Gitarren-Riffs und luftigen Drums. Über seine Musiker, Freddy Hau, den ehemaligen Gitarristen von Luxuslärm, und Ferdinand Roscher, sagt Stein: „Bei denen grooven nicht nur die Noten – sondern sogar die Pausen. 

Alles vor dem Aber ist nicht wichtig: Der rote Faden, der sich durch das ganze Album zieht, ist unverkennbar. Auch in Nummern wie „Worauf willst du warten“, einem kraftvollen Singer-Songwriter-Track, der uns ermahnt, im Leben nicht die Bequemlichkeit siegen zu lassen und uns in kleinen Wartehäusern gemütlich einzurichten, sondern dem Glück entgegenzugehen, wird dies deutlich. Während der Erzähler in dem Song nur einen Zwischenstopp einlegt, um kurz zu verschnaufen und auf die große Chance zu warten, vergehen plötzlich Jahre. Als dann die große Chance endlich eintrifft und ihn auffordert, mitzukommen, ist er müde, denn er hat sich aus einem Provisorium, dem Wartehaus, ein richtiges Zuhause geschaffen. Er hat Wurzeln geschlagen und bekennt auf sein Wartehaus und sein Leben blickend, dass das Warten sein zu Hause geworden ist. 

Roger Stein ist Singer-Songwriter, Liedermacher, Kabarettist und Erzähler zugleich. Er schreibt nicht nur Texte und Musik, sondern macht auch die Arrangements und Aufnahmen seiner Lieder selbst, produziert die Songs im eigenen Studio in Berlin, lädt Freunde ein, Mitmusiker, mit denen er aufnimmt. Und manchmal entstehen auf diese Weise Geschichten ganz ohne Worte, denn, so Stein: „Auch die Stille ist Teil der Musik. Live ist Stein ein charmanter Entertainer, der spontan auf Zwischenrufe aus dem Publikum reagieren kann, weiterspielend eine Strophe erklärt und sein Gegenüber durch Schlagfertigkeit verblüfft. Der Wechsel von Humor und Ernsthaftigkeit kommt stets unerwartet, rasant und doch leichtfüßig. Er spielt ebenso virtuos auf dem Klavier wie mit seinem elektronischen Zubehör: Alles ist live, alles ist leicht, manchmal mit Band in Dreier-Formation, dann wieder solo. Und wenn auch nicht auf allen Bühnen gut gestimmte Klaviere stehen, sagt Stein lächelnd: „Ein Klavier ist eine Liebschaft, die von Zeit zu Zeit Verstimmungen mit sich bringt. Gerade wenn man mit ihr spielt.

Der Mensch hinter den Songs ist in Wien, in Zürich und in Berlin zu Hause. Mit seiner Formation Wortfront, mit Sandra Kreisler, hat er schon einige Alben herausgebracht und ist fleißig getourt, seine „Lieder eines Postmodernen Arschlochs“ wurden mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Andere Songs wie „Reihenhausgesicht“ oder die Klofrau vom Kanzleramt werden zahlreich gecovert, und auch auf Platten der Höhner sind seine Texte zu finden. 

Preise und Auszeichnungen
Preis der deutschen Schallplattenkritik 2006; Meissner Drossel für das beste deutsche Lied 2010; Finalist beim Fränkischen Kabarettpreis 2011; Hessischer Kleinkunstpreis „Schlumpeweck“ (1. Preis Jury und Publikum); Niedersächsischer Lauben-Pieper 2011 (2. Platz); Deutsch-französischer Chansonpreis „Sulzbacher Salzmühle 2011“; Songpoetenpreis der Hanns-Seidel-Stiftung 2012; Troubadour 1. Preis 2013; Stockstädter Liedermacherpreis – 1. Preis 2014; Paderborner Einohr – 1. Preis 2014; Finale – PrixPantheon 2016