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Simone Hofmann

SCHUM DAVAR Jüdische Lieder und Chansons

„Man muss ein Leben gelebt haben, um so Chansons singen zu können …“ sagte ein Zeitgenosse über Sandra Kreisler. Sie lebt und sie denkt mit. Umfassend, kritisch und meist auch unbequem. Und genau so kommt auch ihr Jüdisches Programm „Schum davar“ daher. „Schum was?“ werden sich einige Leser fragen. Schum davar bedeutet „Keine Sache“ oder auch „gar nichts“ aber Schum ist auch das hebräische Wort für Knoblauch. Schum ist zum Beispiel auch die Abkürzung, die die Chassidischen Juden einst dem Städtetriumvirat Speyer, Worms und Mainz, im Mittelalter wichtige Zentren jüdischen Lebens, gaben.

Und genau das ist das Spannungsfeld, in dem die mehrfach preisgekrönte Diseuse ihr Programm ansiedelt. Entlang dieses Bogens thematisiert sie das heutige Judentum, den deutschen „Ethnotouristen“ –  der so gern Klezmerkonzerte besucht und im selben Atemzug den Konflikt mit den Palästinensern allein Israel anlastet. Ebenso wie die Frage, ob Lieder schon „jüdische Lieder“ sind, nur, weil ein Jude sie schreibt oder singt. Apropos, Sandra Kreisler singt deutsch, mit jüdischem Zungenschlag (was auch Neugierige, die der hebräischen Sprache nicht mächtig sind, interessieren dürfte).

Dieses Programm kommt nicht streichelweich daher, aber dennoch lässt es nicht die Leichtigkeit und den so berühmten jüdischen Humor vermissen. Ein Galgenhumor, ein schwarzer Humor, aber auch skurriler und Querdenkerischer Humor. Kurz, die Kreisler zeigt sich in diesem Programm ganz in der Tradition ihres berühmten Vaters Georg Kreisler, dessen Lieder ebenso selbstverständlich dabei sind wie aktuelle, noch völlig unbekannte Songs und uralte Stetl-Niguns (eine Art jüdische Volkslieder).

Denn das Jüdische lässt sich eben nicht nur mit Verweisen auf Religion, Israel und/oder den Holocaust beantworten. Lässt sich überhaupt beantworten wie es sein kann, dass eine Gruppe von weniger als 0,2 % der Weltbevölkerung so nachhaltig und auffällig diskutiert wird? Und was ist überhaupt passiert? Keine Sache?  („Schum davar“ der geneigte Leser erinnert sich?)

Der Besucher wird in diesem Programm mehr mit Fragen konfrontiert als mit Antworten – denn das Mitdenken muss man schließlich üben.  Und genau das macht sie aus, diese Sandra Kreisler. Sie ist prädestiniert, diese Fragen mit ihren Liedern zu stellen, und sie stellt sie mit Witz, Charme und einem boshaften Blitzen in den Augen. Man muss eben ein Leben gelebt haben, um so Chansons singen zu können. Premiere feiert das Programm „Schum davar“ am 11.11.2013 im Renitenztheater Stuttgart. Begleitet wird Sandra Kreisler von Gennadij Desatnik (Geige, Gitarre) und  Valeriy Khoryshman (Akkordeon).

Plakat zum Programm Sandra Kreisler: SCHUM DAVAR - Jüdische Lieder und Chansons

Plakat zum Programm // Sandra Kreisler: SCHUM DAVAR – Jüdische Lieder und Chansons

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