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Simone Hofmann

Tegtmeiers Erben 2013 stehen fest

Ich muss gestehen, dass ich nicht zu den Menschen gehöre, die mit der Figur des Ruhrgebiets-Kleinbürgers Adolf Tegtmeier aufgewachsen sind. Das mag am Alter liegen oder an meiner Herkunft (dem sog. „Tal der Ahnungslosen“). Umso gespannter war ich natürlich auf den Finalabend von „Tegtmeiers Erben“, im Kulturzentrum Herne, für den sechs Künstlerinnen und Künstler nominiert waren, die sich in Inhalt und Darbietung durchaus unterschieden, aber in der Frage der Professionalität und Bühnenpräsenz in einer Liga spielten. Den humoristischen Wettstreit lieferten sich an diesem Abend Daphne de Luxe, HG Butzko, Michael Krebs, Till Reiners, Henning Schmidtke und Torsten Sträter. Backstage war jedoch sehr deutlich spürbar, hier geht es nicht gegen- sondern miteinander.

Der „Tegtmeier-Ehrenpreis“ wurde Wilfried Schmickler von keiner geringeren überreicht, als Else Stratmann, die Elke Heidenreich damit nach 25 zum ersten Mal wieder auf die Bühne ‚holte‘. Das war eine Laudatio, die sich hören und sehen lassen konnte. Als Dankeschön überreichte der wortgewaltige Satiriker ihr eine große, goldene Hundefigur (wenn ich mich recht entsinne lautete die Auszeichnung „Hundehalterin des Jahres“). Und auch im persönlichen Umgang begegnete Schmickler einem sehr bodenständig und wohlwollend kritisch.

Mit dem „Jürgen von Manger-Preis für ein Lebenswerk“ wurde Dieter Hallervorden ausgezeichnet, dessen Laudatio Ilja Richter hielt. Über den Moderator der legendären Fernsehsendung „Disco“ hatte das Publikum an diesem Abend schon einiges gehört, als Henning Schmidtke die Disco-Szenen in Erinnerung rief und Leistungsdruck am Beispiel der heutigen Castingshows vs. der damaligen Sendungen thematisierte. Bei Hennings Auftritt war spürbar: der Mann hat etwas zu sagen und genau das wurde am Ende des Abends mit dem Jurypreis belohnt. Diese Entscheidung war aber mit Sicherheit für die Jury nicht einfach, denn alle Künstler lieferten an diesem Abend ordentlich ab.

Doch noch einmal zurück zu Dieter Hallervorden. Er las aus der Begründung eines Gerichtsurteils, das zu komisch war und jede Menge Lacher hervorbrachte und verkündete dann, dass er nun noch einen Hallervorden-Sketch, zusammen mit seinem Sohn, spielen werde, da die Verlesung des Urteils nicht für die Radioaufzeichnung freigegeben wurde und dem Veranstalter Gelder gekürzt werden sollten, wenn kein aufzeichnungsfähiges Hallervorden-Material verfügbar sei. Respekt! Um das zu verhindern, präsentierte er einen Sketch, der in einem Zugabteil spielte, der aber leider von jeder Menge Technikpatzer begleitet wurde (wodurch er jedoch nicht weniger lustig war). Den Publikumspreis, für den die Stimmen aus allen vier Wettbewerbs-Abenden ausgezählt wurden, erhielt HG Butzko, der erst kürzlich mit dem Deutschen Kleinkunstpreis geehrt wurde. Professionell durch den Abend führte Lokalmatador Helmut Sanftenschneider. Alles in allem war dies ein Abend, der  – vor, auf und hinter der Bühne – in absolut angenehmer Atmosphäre stattfand, dessen Künstlerinnen und Künstler mit allen Auftritten überzeugten und der jede Menge humoristisches Potential zeigte. Ich bin froh, dabei gewesen zu sein und habe großartige Menschen kennengelernt. Glückwunsch an die Preisträger des Abends!

Herne

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